DER IMPOSTOR-ZYKLUS

Im letzten Blogartikel hast du typische Bewältigungsstrategien bei Selbstzweifeln und Impostor-Erfahrungen kennengelernt und erfahren, warum Menschen diese anwenden – trotz langfristiger negativer Folgen.  In diesem Artikel erfährst du noch mehr über den sogenannten Impostor-Zyklus oder Impostor-Teufelskreis.

 

WAS IST DER IMPOSTOR-ZYKLUS?

Nach Clance (1985) finden sich Menschen, die unter dem Impostor-Phänomen leiden, in einem Teufelskreis wieder. Dabei kommt es zu einer nicht endenden Folge unangenehmer Faktoren, die sich gegenseitig bedingen und verschärfen. Dieser Impostor-Zyklus verläuft in den folgenden verschiedenen Phasen.

1. Alles beginnt damit, dass die Person einer bestimmten Leistungsanforderung oder Herausforderung gegenübersteht. Welche das ist, ist individuell. Typische Situationen sind z.B. ein neues Projekt oder ein neuer Job, ein Vortrag oder ein Team-Meeting. 

 

  1. Diese leistungsbezogene Aufgabe löst Selbstzweifel, Sorgen und Angst bei der betroffenen Person aus. “Schaffe ich das?”, “Ich bin nicht gut genug”, “Die anderen werden merken, dass ich das nicht kann.” sind typische Gedanken, die der eigene Verstand hervorbringt.

 

  1. Die Person versucht den eigenen Unsicherheiten und Ängsten sowie den unheilvollen Gedanken etwas entgegenzusetzen. Dabei greift sie auf bestimmte Bewältigungsstrategien zurück, die Ängste, Unsicherheiten und unangenehme Gedanken reduzieren und das gefürchtete Versagen verhindern sollen.  Beim Overdoing arbeitet die Person z.B. häufig übermäßig viel oder bereitet sich exzessiv vor. Ein Beispiel für Underdoing ist Prokrastination. Das heißt, sie schiebt Aufgaben und deren Vorbereitung zunächst auf und arbeitet dann häufig unter starkem Druck bis zur Deadline alles so gut es geht auf. 

 

  1. Die Person bewältigt die Leistungsanforderung oder Herausforderung und bekommt positives Feedback.

 

  1. Ein kurzes Gefühl der Erleichterung setzt ein, vielleicht Gedanken wie “Das ist ja nochmal gut gegangen.” 

 

  1. Jedoch folgt relativ schnell die Abwertung des eigenen Erfolgs. Denn die Person führt das Gelingen der Aufgabe entweder auf die übermäßige Anstrengung (Overdoing) oder Glück bzw. andere Gründe (Underdoing) zurück. Der Einsatz der Bewältigungsstrategien verhindert also, dass die Person Erfolge ihren eigenen Fähigkeiten zuschreiben kann. 

 

  1. Die Person bewertet den Erfolg und die eigene Leistung als Betrug und Täuschung. Ein typischer Gedankenfluss lautet vielleicht so: “Hab ich’s mal wieder geschafft, obwohl ich nur so getan habe als ob… Wenn die anderen das wüssten…” Dazu gesellt sich die Angst, diese Leistung in Zukunft nicht wiederholen zu können. Betroffene entwickeln nicht die Zuversicht, mit “normaler Anstrengung” und aus den eigenen Fähigkeiten das nächste Mal eine solche Aufgabe bewältigen zu können. Selbstzweifel, Unsicherheit, Druck und die Angst davor, als Hochstapler “aufzufliegen” werden verstärkt.

 

  1. Auf ein Neues! Wenn in der Zukunft eine neue Aufgabe aufkommt, reagiert die Person wieder und sogar verstärkt mit Angst und Sorgen, greift auf die bekannten problematischen Bewältigungsstrategien zurück und der ganze Zyklus wird wieder durchlaufen. 

 

WIE KANN DER IMPOSTOR-ZYKLUS DURCHBROCHEN WERDEN?

Dieser Zyklus ist von betroffenen Personen häufig schwer zu durchbrechen. Der Teufelskreis läuft häufig schon sehr automatisch und routiniert ab. Ein erster Schritt wäre es, sich zunächst einmal Klarheit über die eigene Situation zu verschaffen. Nach einer Bestandsaufnahme können neue Strategien ausprobiert werden. Ansatzpunkte finden sich dann an verschiedenen Stellen des Impostor-Zyklus. Ein gelassener Umgang mit eigenen unangenehmen Gedanken und Gefühlen, die Bilanzierung eigener Stärken und Schwächen, verbunden mit einer Erhöhung der Selbstakzeptanz, das Loslassen problematischer Bewältigungsstrategien und Erarbeitung eines ausgewogeneren (Arbeits-)Verhaltens und eine Ausrichtung des eigenen Fokus auf persönliche Werte statt bloße Leistungserfüllung, können hilfreiche Ansatzpunkte sein. 

 

Findest du dich auch manchmal im Impostor-Zyklus wieder? Welche Leistungsanforderungen stoßen bei dir Selbstzweifel und Impostor-Erfahrungen an? Sind es eher private oder berufliche Anforderungen? Welche Bewältigungsstrategien kannst du bei dir beobachten? Und was passiert, wenn du die Aufgabe erledigt hast?

 

Ich freue mich, wenn du mir einen Kommentar hinterlässt, meinen Beitrag teilst oder mir weitere Fragen stellst, die ich gerne aufgreife.

 

Liebe Grüße

 

 

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Quellen:

 

Clance, P. & Imes, S.: The Imposter Phenomenon in High Achieving Women: Dynamics and Therapeutic Intervention, in: Psychotherapy Theory, Research and Practice, Bd.15, Nr. 3, Herbst 1978. Online abrufbar unter: http://www.paulineroseclance.com/pdf/ip_high_achieving_women.pdf

Magnet, Sabine: Und was, wenn alle merken, dass ich gar nichts kann? Über die Angst, nicht gut genug zu sein. München, 2018

Orbé-Austin, L. & Orbé-Austin, R.: Own your greatness – Overcome impostor syndrome, beat self-doubt, and succeed in life. Berkeley, 2020

Harris, R.: ACT made simple: An Easy-to-Read Primer on Acceptance and Commitment Therapy – Second Edition. Oakland, 2019